Institut für rituelle Kulturinfo@sanateom.atTel. +43 676 519 49 66Blutgasse 5/2, 1010 WienSANATEOMDie Veranstaltungen des Kulturinstitutes Sanateom basieren auf einemVerständnis des Begriffes „Ritual“, als ein allgemeines System symbolischerKommunikation im Rahmen einer inszenierten Handlung (vgl. Tambiah, 1979),wie es etwa von einer theatralen Aufführung aber auch von gewöhnlichenAlltagsritualen wie Händeschütteln, einer Gesprächsrunde oder einerGeburtstagsfeier bekannt ist und ermöglicht den Teilnehmern einen Rahmenfür personale und transpersonale Erfahrungen. Rituelle Abläufe finden in einer dreistufigen Schrittfolge (vgl. VanGennep, 1960) statt, wobei vorerst durch eine persönliche Vorbereitung unddas Übertreten der Schwelle in den Ritualrahmen der normale Alltagverlassen wird, einer sogenannten Trennungsphase (Bsp.: Dekoration einesRaumes für eine Geburtstagsfeier). In der Schwellen- und Übergangsphase,dem eigentlichen Ritual, werden mittels der gesamten Inszenierung für denEinzelnen verbindendes Resonanzerleben und ein emotionales Durchlebender Ereignisse möglich (Bsp.: Singen von Geburtstagsliedern, Entzünden derKerzen auf einer Torte, Halten von Reden, Auspacken von Geschenken). Inder abschließenden dritten Phase einer Reintegration sollen dieseErfahrungen begreifbar werden und eine Überleitung in den Alltaggewährleisten (Bsp.: die Teilnehmer einer Feier tauschen ihre Erfahrungenund Fotos aus). Wie erwähnt ist vorerst eine trennende Lösung vom Alltäglichen einwesentlicher Parameter für die persönliche Erfahrung, wodurch einAbschalten, Inspiration und intensives Erleben in der Ritualzeit möglich wird.Ein weiterer Bestandteil beinhaltet das Vertrauen in die vorgefundeneAtmosphäre und die prozessualen Abläufe. Hierbei ist der wissenschaftliche,undogmatische Rahmen wichtig, der Raum für Diskurs, Nachfragen und inFrage stellen von Inhalten geben soll. Dadurch kann in der Trennungsphasedas bewusste, rationale Denken seinen Platz finden und kann auch alsVorbereitung für das spätere Erleben wirken. Für ganzheitliche trance-personale Erfahrungen, also das Erreichen von verändertenBewusstseinzuständen, ist die Einbindung der Ebenen des Bewusstseins wieauch des Unbewussten notwendig. Die künstlerische Darbietung fülltwiederum den Ritualraum und bildet einen direkt erfahrbaren, ungerichteten Fokus, der ein freies, individuelles Erleben von Resonanzverbindungen, zusich, zum Künstler, zu spirituellen Ebenen usw. möglich macht. Ebenso wichtig ist das oftmals vernachlässigte Ordnen und somit zugänglich machen derErfahrungen in der abschließenden Phase, um diese für eine persönlicheEntwicklung verwertbar zu machen. Bildhaft dargestellt bildet dabei dieWissenschaft, einen stabilen Verständnisrahmen, welcher durch künstlerischePerformance, also dem freien Geist der kreativen Inspiration, dynamisch wirdund dem eine Be-Geisterung bei allen Teilnehmern folgt.Gleichzeitig besteht ein einladende Offenheit gegenüber allenbestehenden Glaubenskonzepten religiöser oder anderer spirituellerRichtungen hinsichtlich ihres jeweiligen Gottesbildes oder ähnlicheruniverseller Vorstellungen. Mögen auch die kulturell unterschiedlichen Ritualeder Glaubensbekenntnisse vielfältigste Strukturen und Herangehensweisenvon der Stille bis zur Ekstase aufweisen, so zeigt sich ein mystischesgemeinsames Ziel in einer Erfahrung von Verbundenheit mit „dem Heiligen“zu erreichen, umrahmt von den dazu notwendigen Emotionen vonAufgeregtheit bis zur Liebe. Die Sanateom-Veranstaltungen werden sowohl von künstlerischen, alsauch hinsichtlich psychodynamischer Standpunkte bewusst ausgewählt undgestaltet und orientieren sich darauf, den persönlich einzigartigen,individuell-spirituellen Weg der teilnehmenden Person zu unterstützen. Daherist eine klare Abgrenzung von konfessionellen Bezügen, dogmatischenBedingungen und esoterischen Verkaufsstrategien vorhanden, um eineKultur lebendiger Rituale in Alltag, Kunst und Feierlichkeiten jeglicher Art zufördern. Die Veranstaltungen sind auch keine Art der Psychotherapie, zielenalso per Definition nicht darauf ab, bestimmte Leidenszustände zubehandeln.Literatur: Tambiah S (1979): A Performativ Approach to Ritual. Radcliffe Brown Lecture, OxfordVan Gennep A (1960): Übergangsriten. Campus, Frankfurt