info@sanateom.atTel. +43 676 519 49 66Blutgasse 5/2, 1010 WienSANATEOMInstitut für rituelle KulturRituale werden definiert als formelle, wiederkehrende Akte sowiesymbolisches Ausdruckhandeln von Einzelnen und Gruppen mittransformatorischem Charakter (Heimbrock, 1997). Solche Rituale mitfestlichem Charakter finden sowohl im Alltag, als auch in religiösem Kontextstatt, auch die künstlerische Darbietung vermag, als bewusstes oderunbewusstes rituelles Geschehen bei dem die Gesten und Symbole Wirkungauf die verschiedenen Ebenen der Umgebung ausüben sollen (vgl. Turner,1967), ähnliche Dynamiken zu nützen. Heute tauchen symbolischeEinzelelemente von Ritualen in der westlichen Kultur nur nochunzusammenhängend und bruchstückhaft im Alltag auf. So entzündenMenschen etwa eine bestimmte Anzahl von Kerzen auf einer runden Torte,singen gemeinsam Lieder zu Weihnachten, füllen Schultüten, klatschen dieHände zum Abschluss einer Darbietung. Das Ziel des Institutes Sanateom ist es, eine Brücke zwischenwissenschaftlich bewusstem und mündigem Verstehen des Einzelnen undeinem emotional, nicht kognitiven in-Resonanz-Kommen mit den Dimensionendes Seins zu schaffen, in dem das Erleben von Phänomenen möglich wird.Westliche Gesellschaftskulturen bieten hier meist oberflächliches rituelles Tun,rationelle Distanz oder ungerichtetes Gefühlserleben an. Das Konzept des Institutes ist, alle Ebenen menschlicher Auffassung, alsobewusste und unbewusste Aspekte, mit einzubinden, um sowohl personale,als auch transpersonale Wahrnehmung möglich zu machen. Diesesganzheitliche Erleben wird mit unterschiedlichen Begriffen beschrieben. Sobezeichnete es etwa der Ethnologe Lehmann als ein zentrales Phänomen„Mana“ – das „außerordentlich Wirkungsvolle“, bei dem die Erfahrung „seinereigenen inneren Bewegungen“ im Zentrum stehe (vgl. Lehmann 1922). Der Religionswissenschaftler Rudolf Otto definiert jenes Erleben als das Heilige oderNuminose, als subjektiv erlebbare „Momente starker religiöser Erregtheit“(1917/2004) im Sinne der besonderen, nicht rationellen Gefühlsreaktion.Auchin animistischen Kulturen, die an eine Beseeltheit der Natur glauben, ist nachCG. Jung (1995/8) eine emotionale Reaktion, resultierend aus einerdynamischen Beziehung zwischen dem Menschen und seinen Objekten derUmgebung, dadurch möglich, dass man sich mit diesen Objekten inphänomenaler Beziehung verbunden wahrnimmt. Dies entspricht ebensodem vom französischen Anthropologen Levy Bruhl (1966) geprägten Begriffder „participation mystique“. Dabei werden ähnlich, wie dies bei verändertenBewusstseinszuständen zutage tritt, inkongruentes Zeiterleben, aber auchwidersprüchliche Kausalitätszusammenhänge vom Erfahrenden akzeptiert. Inder „participation mystique“ tritt eine psychologische Verbundenheit mit dem Objekt, über die Grenzen von logischen Zusammenhängen hinweg, auf.Dieses Resonanzgeschehen kennt man in ähnlicher Form auch von intensivenErlebnissen beim Besuch von musikalischen, cineastischen oder TheaterVeranstaltungen.Für diesen Rahmen ist die Tätigkeit des Institutes unpolitisch, nichtkonfessionell und an keine Voraussetzungen oder Dogmen gebunden,wodurch eine freie, individuell spirituelle Persönlichkeitsentwicklung begünstigtwerden soll. Durch ein Verstehen der Abläufe und Inhalte eines Rituals sowiedes Zieles kann man sich den jeweiligen Prozessen anvertrauen und in einResonanzgeschehen eintreten, wonach über bestimmte Fusionsmomente(Knoll, 2011) eine persönliche Erfahrung und Wahr-nehmung, als einer innerenWahrheit, entsteht, die angenommen und eingeordnet werden kann. DiesesPhänomen zu unterstützen, werden durch das Institut verschiedene,besonders ausgewählte künstlerische Veranstaltungen, Seminare unddazugehörige Publikationen initiiert.Literatur:Heimbrock H G (1997): Rituale. Unsinn oder Beitrag zu religiöser Sinnbildung? In: Wermke M(Hrsg.): Rituale und Inszenierungen in Schule und Unterricht. Lit Verlag, Münster Jung C G (1995/8): Die Dynamik des Unbewussten. Walter, DüsseldorfKnoll A (2011): Im Gespräch mit tuvinischen Schamanen. Eine vergleichende Untersuchungüber die therapeutische Beziehung in Schamanismus und Hypnosepsychotherapie in Bezugauf das Phänomen des FusionsmomentsLehmann R F (1922): Mana, der Begriff des ausserordentlich Wirkungsvollen beiden Südseevölkern. Spamer, Univ. CaliforniaLévi–Bruhl L (1966): How Natives Think, trans. Lilian A. Clare, Square Press, New YorkOtto R (1917/2004): Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und seinVerhältnis zum Rationalen. Beck, MünchenTurner V (1967): The Forest of Symbols. Aspects of Ndembu Ritual., Cornell University Press,London